Neue Publikation über den stark bedrohten Lahille-Tümmler in der Lagoa Dos Patos, Brasilien

Eine Quantifizierung der Gefahren ist entscheidend bei der Festlegung von Strategien für den Schutz bedrohter Tierpopulationen. Der Lahille-Tümmler (Tursiops gephyreus) kommt in geringer Anzahl vor und ist auf die Küstengewässer des westlichen Südatlantiks von Südbrasilien bis Argentinien beschränkt. Populationsschätzungen deuten auf eine Gesamtpopulationsgröße von 600 Individuen hin. Hauptgefahr geht von der Fischerei aus, wobei Beifang als wichtigste Problematik anzusehen ist. Aber auch die Überfischung und die Verschmutzung der Küstengewässer haben in den letzten Jahren zum Rückgang der Population geführt. Aus diesem Grund wird die Art jetzt in der Roten Liste der IUCN als gefährdet und in der Nationalen Roten Liste Brasiliens als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Wissenschaftler des Marine Megafauna Ecology and Conservation Laboratory (ECOMEGA) haben gerade eine wissenschaftliche Publikation mit dem Titel „Dynamics and viability of a small, estuarine-resident population of Lahille’s bottlenose dolphins from Southern Brazil“ veröffentlicht. Dieser Artikel war Teil der Doktorarbeit von Pedro Fruet, im Graduiertenprogramm für Biologische Ozeanographie an der Bundesuniversität Rio Grande-FURG, Brasilien, unter der Leitung der Professoren Eduardo Secchi (FURG) und Luciana Möller (Flinders University, Australien). Die gesamte Arbeit wurde mit finanzieller Unterstützung von YAQU PACHA durchgeführt. Der Artikel beschreibt die Dynamik und bewertet die Lebensfähigkeit der kleinen Population des Lahille-Tümmlers in der Lagoa dos Patos (Population: ca. 90 Tiere). Die durchschnittliche jährliche Sterblichkeit in Fischernetzen liegt bei etwa 5 Delfinen, wobei es erhebliche Schwankungen zwischen den Jahren gibt. Männchen und Jungtiere/Subadulte Tiere sind die am meisten betroffenen Gruppen. Verschiedene Szenarien der Mortalität in Fischernetzen wurden bewertet, um mögliche demografische Trends zu projizieren und das Risiko des Rückgangs über einen Zeitraum von 60 Jahren (entspricht 3 Generationen dieser Art) zu bestimmen. Die Autoren fanden eine optimistische Prognose für die nächsten 60 Jahre, wenn man davon ausgeht, dass die derzeitige zufällige Sterblichkeitsrate in Fischereinetzten konstant bleibt. Sie betonen jedoch die Bedeutung der geschlechtsreifen Weibchen für die Population. Der Verlust von einem geschlechtsreifen Weibchen/Jahr würde ausreichen, um einen Populationsrückgang von bis zu 2,3 % pro Jahr auszulösen. Die Lebensfähigkeit der Population würde wesentlich verbessert werden, wenn die Überlebensrate erhöht werden könnte. Dies könnte durch das kürzlich implementierte Delphinschutzgebiet erreicht werden, das die Kiemennetzfischerei im Kerngebiet dieser Population verbietet.

Wenn das Schutzgebiet dazu führt, dass der Beifang der am stärksten betroffenen Lebensstadien (juvenile/subadulte Delfine) reduziert wird, bestünde sogar die Möglichkeit, dass diese Delfinpopulation zunimmt. Dies ist wünschenswert, da es die Konnektivität mit benachbarten Populationen und damit den Genfluss fördern könnte, was wiederum die genetische Vielfalt erhöhen und die Fähigkeit der Großen Tümmler in Südbrasilien verbessern würde, mit Umweltveränderungen und möglichen Krankheitsausbrüchen fertig zu werden.

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